Ulrich Fischer

Nachhaltigkeit als Aufgabe der Kirche

Quelle: ZfK Hornung
 

Für Ulrich Fischer war es nach eigenem Bekunden eine „Sternstunde“, auf die er sich seit Monaten gefreut hatte: Zwei Stunden lang stand der Landesbischof den 70 Leserinnen und Lesern der „Rhein-Neckar-Zeitung“ Rede und Antwort: Wie kann Gott trösten? Wie kann der Gottesdienst für Jugendliche anziehend sein? Wie kann ich mich auf den Tod vorbereiten? Es seien diese großen Fragen des Lebens, für die er studiert habe und die auch für das Bischofsamt zentral seien, bekannte Fischer. Wohl wissend, dass demgegenüber die Organisationsfragen der Kirche stetig in den Vordergrund drängen.

Neben der theologischen ist es die menschliche Ebene, die Fischer an Terminen wie jenem Lesergespräch so schätzt. Seine große Stärke ist der direkte Draht zu den Menschen, Jungen und Alten, Zweifelnden und Glaubenden, beim „Konficup“ oder beim Katholikentag. Sein großes Thema ist die Nachhaltigkeit: in kirchlichen Strukturfragen, in der Medienarbeit und vor allem in der Umweltpolitik. Kürzlich wählte ihn Ministerpräsident Winfried Kretschmann in den Beirat für nachhaltige Entwicklung, zuvor hatte Fischer in der Ethik-Kommission der Bundesregierung zur sicheren Energieversorgung mitgewirkt.

„Die Menschen in den reichen Industriestaaten müssen einen neuen Lebensstil entwickeln, der unseren Enkeln die gleichen Chancen lässt, wie wir sie haben“, mahnt Fischer. Es gehe um eine Ethik des Genug, um ein Wirtschaften im Dienst des Lebens. Dabei trage jeder Einzelne Verantwortung.

Fischer ist dabei keiner, der die Mikrofone magnetisch an sich zieht. Wenn er sich äußert, dann gezielt und in wohl durchdachten Stellungnahmen. Außerhalb Badens wirkt er u.a. als Vorsitzender des Aufsichtsrates des Gemeinschaftswerkes der evangelischen Publizistik oder im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland. Bei langen Sitzungstagen bildet das morgendliche Joggen den sportlichen Ausgleich, der Sonntag klingt oft mit dem „Tatort“ aus.

Der heutige Landesbischof wurde am 11.Februar 1949 in Lüneburg geboren. Früh wirkt er im Kirchen- und Posaunenchor mit und war bei den christlichen Pfadfindern aktiv. Nach dem Wehrdienst studierte er Theologie in Göttingen und Heidelberg. Nach der Promotion absolvierte er sein Lehr- und Pfarrvikariat in Sandhausen. Zehn Jahre war Fischer dann bis 1989 Pfarrer in Heidelberg-Kirchheim, Schwerpunkt waren die Arbeit mit Kindern, musisch-kulturelle Aktivitäten, Mitarbeit in der „Eine-Welt-Arbeit", in Friedensgruppen und die Ökumene vor Ort. Von 1989 bis 1995 war Fischer Landesjugendpfarrer, vor der Wahl zum Landesbischof stand er als Dekan an der Spitze des Kirchenbezirks Mannheim.

Besonders dem Nachwuchs fühlt sich der frühere Landesjugendpfarrer stark verbunden. Den jungen Pfarrerinnen und Pfarrern, die er zu einem großen Teil selbst in ihr Amt ordiniert wie der eigenen Familie. Das Ehepaar Fischer lebt in einem Mehrgenerationenhaus in Neulußheim bei Mannheim, zusammen mit einer von drei Töchtern, die dort einen Hof für Reittherapie betreibt und mit drei der fünf Enkelkinder. Vieles auf dem Hof wurde in Eigenarbeit erstellt. Wenn es zum Beispiel bei der ökumenischen „Woche für das Leben“ auf dem Podium um das Thema „Zusammenhalt der Generationen“ geht, weiß Fischer, wovon er redet.

An Baden schätzt der Landesbischof das milde Klima, das nicht nur Wein und Obst in reichem Maße gedeihen lässt, sondern auch die Menschen in der Kirche im liberalen Sinne prägt. Noch dazu ist es ein mildes ökumenisches Klima, das in den letzten Jahrzehnten vieles wachsen ließ, was in anderen Regionen Deutschlands so kaum vorstellbar war. Fischers gerne zitierte Bilanz: „In Baden gehen die ökumenischen Uhren anders.“

(Dr. Daniel Meier, Pressesprecher)